Extremadura und Portugal

Korkeichen, Hitze und einsame Straßen

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6. Etappe (Donnerstag 12.06.2003):
Embalse de Zalamea - Castuera - Cabeza del Buey - Puebla de Alocer - Tallarubias - Embalse de Garcia de Sola
Distanz 120 km, Fahrzeit 8 Stunden)

6. Etappe: Embalse de Zalamea - Embalse de Garcia de Sola

Ein früher Start hat sich bei diesen klimatischen Bedingungen als äußerst vorteilhaft erwiesen. Mit einem Spatzenfrühstück im Bauch "metere" ich die erste Etappe bis Castuera ab, es ist nicht allzu aufregend hier, vor allem herrscht reger Verkehr. In Castuera erreiche ich den Bergrücken, der das riesige offene Steppengebiet La Serena an dessen Südseite begrenzt. Auf halber Hanghöhe führt eine aussichtsreiche wunderbare Strecke gen Osten. Bei bester Aussicht frühstücke ich in Berquerencia.

Die Ebene im Süden ist eine ausgedehnte parkähnliche Landschaft mit zahllosen Korkeichen. Dies ist einer der wichtigsten Überwinterungsgebiete der Kraniche, die Jahr für Jahr zwischen Nordeuropa und der Extremadura pendeln. Im weiteren Verlauf der Tour passiere ich die Puerto Mejara, eine passähnlich Senke in dem Höhenzug. Wer in den Wintermonaten hier ist, kann morgens und abends an einem spektakulären Schauspiel teilhaben: die Kraniche machen es sich nicht schwerer als nötig! Sie überqueren hier an der niedrigsten Stelle die Hügelkette zwischen ihren Futterplätzen in den südlich gelegenen Korkeichenwäldern und den Schlafplätzen an den Seen der Steppe La Serena.

Ich folge der Sierra und erreiche gegen Mittag Cabeza del Buey. Hier mache ich noch mal Pause, bevor ich mich in die mittägliche Hitze der Steppe La Serena begebe. Auf 40 Kilometern dominiert endlose Weite: kein Baum, kein Strauch, nur trockenes gelbes Gras! Auch wenn es landschaftlich sehr eintönig wirkt, das Radeln hat eine meditative Komponente, zumindest solange es nicht bergauf geht! Auf der guten Strasse komme ich bei äußerst wenig Verkehr zügig voran. Über den Stausee Embalse de Serena führen zwei Brücken. Die Bergfahrten im Anschluss an die Brücken sind bei der Hitze gnadenlos. Als vorteilhaft erweist sich zu meiner Überraschung der Helm. Die Suppe läuft mir zwar aus dem Helm, aber die Styroporschale hält einen Teil der intensiven Sonneneinstrahlung von Kopf und Ohren fern.

Der aufgestaute Guadiana in der Steppe La Serena

Ich erreiche am späten Nachmittag Puebla de Alocer. Hoch über dem Dorf thront weithin sichtbar ein imposantes Kastell. Die Frage, ob ich mich da rauf quälen soll oder nicht, ist schnell beantwortet: na klar! Die Aussicht dort oben muss genial sein! Vor das Vergnügen hat der liebe Gott allerdings die Arbeit gestellt, und so heißt es noch mal alle Kräfte zusammenzunehmen und das voll beladene Rad bei 40C die 25% ultrasteile Rampe hinaufmanövrieren.

Heute verzichte ich darauf ein Held zu sein und schiebe das Rad hinauf, das ist schon heftig genug. Als wäre das noch nicht genug, liegt neben dem Weg eine halbverweste Katze in der Sonne, der "Duft" schnürt mir die Kehle zu. Die Aussicht entschädigt aber für alle Strapazen. Das Kastell ist in seiner Grundsubstanz noch erstaunlich gut erhalten. Von der Mauer reicht der Blick sehr weit über die endlosen Steppen und die bizarr geformten Stauseen. Hier verweile ich lange, es ist kein Mensch weit und breit zu sehen.

Nachdem ich mich satt gesehen habe, geht's die 25% wieder steil abwärts. Zum Glück verglüht die Felge nicht. In Talarrubias gibt es entgegen der Darstellung der Michelinkarte keinen Campingplatz. Stattdessen nisten direkt an der zentralen Plaza zahlreiche Störche auf den umliegenden Dächern. Ich kaufe hier Proviant, besorge mir Wasser und stelle mich auf eine weitere Nacht in der "Prärie" ein.

Ich nähere mich dem Stausee Embalse de Garcia de Sola und die Landschaft ändert sich schlagartig. Nachdem ich den größten Teil des Tages durch endlose offene Steppen geradelt bin, habe ich nun plötzlich das Gefühl, mitten im Schwarzwald zu sein! Inmitten der steilen bewaldeten Berge liegt wunderschön der Stausee. Östlich der Staumauer gibt es direkt an der Nationalstrasse einen schönen Badebereich, wie einladend! Ich springe gleich in voller Montur hinein, die Klamotten können auch ein Vollbad gebrauchen. Das Bad ist paradiesisch. Das glasklare Wasser hat fast Badewannentemperatur. Als ich mein ausgedehntes Vollbad beende, ist es schon fast dunkel. Es ist wunderbar friedlich hier. Es sind nur noch wenige junge Leute zum Baden hier, die aber auch bald verschwinden. Auf der Strasse herrscht kaum Verkehr, ein wahrhaft toller Platz.


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