Neuseeland und Australien

Radeln am anderen Ende der Welt, oder was sonst alles in die Hose geht…

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Montag 01.03.: Tokomaru Bay - Gisborne

Montag 01.03.: Tokomaru Bay - Gisborne

Nach einer angenehmen Nacht ohne Regenstakkato auf dem Wellblechdach werde ich früh wach. Das Wetter sieht vielversprechend aus - kein Wölkchen trübt den Himmel. Nach dem Start geht es zunächst mal ordentlich zur Sache, die Strasse führt stramm aufwärts. Das Licht ist wunderbar, die Landschaft wird mir allerdings irgendwann zu eintönig. Hügelige Schafweiden und einzelne Kiefernforste dominieren mal wieder die Szenerie. Orte gibt es zunächst nicht auf dieser Strecke. Die Strasse habe ich für mich allein.

Gedankenverloren spule ich Kilometer um Kilometer runter, bis mich der Hunger zu einer Rast verleitet. An der Einfahrt zu einer Farm gibt's ein paar Bäume und etwas Schatten. Hier pausiere ich und stärke mich mit Keksen und Obst. Unvermittelt taucht der Farmer auf, der mit seinem Moped zur Strasse runter kommt, um seine Post aus dem Briefkasten zu holen. Er begrüsst mich wie einen alten Kumpel, den er nach langer Zeit mal wieder sieht. Wir halten ein ausgedehntes Schwätzchen, er ist natürlich neugierig, was mich hier in diese gottverlassene Gegend verschlagen hat.

Natürlich haben wir mit dem Wetter schnell ein Thema gefunden, was uns beide, den Bauern und den Radler, gleichermassen interessiert. Er untermauert meine intuitiven Erlebnisse vom Vortag mit harten statistischen Daten: 72mm Niederschlag innerhalb weniger Stunden hat er gemessen, das ist selbst für neuseeländische Verhältnisse harter Tobak! Er ist wie ich der Meinung, dass das Wetter jetzt aber mal endlich besser werden muss…

Frisch gebadet ist die Welt in Ordnung...

Der Griff in den Briefkasten fördert neben der Post auch noch eine Tüte voller köstlicher Avocados zum Vorschein. Die Freude ist gross, da hat sein "Nachbar" ihm doch wieder eine kleine Bescherung gemacht. Wo dieser "Nachbar" wohnt, ist mir allerdings nicht klar geworden. Neben seiner Farm ist weit und breit kein anderes Haus zu sehen. Nachbarschaft hat in Neuseeland offenbar eine etwas andere Dimension als im engen Europa. Zum Abschied lässt er mich an seiner Freude über die Avocados teilhaben und gibt mir eine köstliche Frucht mit auf den Weg.

Der Rest der Tour geht angesichts einer entspannter werdenden Topographie flott von statten. Kurz vor Gisborne säumen einige feine Strände den Weg. Zum ersten Mal sehe ich nun in Neuseeland schöne surfbare Wellen. Leider passte das Brett nicht mehr mit ins Gepäck, so dass ich etwas wehmütig den Surfies beim Spiel mit den Wellen zuschaue.

Ich erreiche Gisborne früh am Nachmittag. Die Stadt ist typisch für Neuseeland: funktionale Aufteilung, breite Strassen, Stadtplanung im schachbrettartigen Grundmuster, Shopping Center und insgesamt ziemlich gesichtslos. Man kriegt, was man braucht, ansonsten reizt mich nichts hier.

Immerhin habe ich nach einigen Tagen Internetabstinenz mal wieder Gelegenheit, ein paar mails zu lesen und zu schreiben. Das Motorcamp ist zu meiner Überraschung noch gut besucht. Einige Radler campieren ebenfalls dort. Ich zaubere mir in der Küche des Camps ein köstliches Essen. Währenddessen verfolgen zahlreiche Kiwis am Fernseher die Prämierung ihres Landsmannes Peter Green, der soeben für sein Jahrhundertwerk "Herr der Ringe" zahlreiche Oskar absahnt.

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