Neuseeland und Australien

Radeln am anderen Ende der Welt, oder was sonst alles in die Hose gehtů

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Donnerstag 19.02.: Auckland - Thames

Donnerstag 19.02.: Auckland - Thames

Es dauert immer eine ganze Weile, bis zum Tourstart alles an seinem Platz ist. Das Wetter sieht heute sehr viel besser aus, und so starte ich gut gelaunt und bestens vorbereitet. Die Skyway Lodge liegt weit im Süden der Stadt, so dass es bis zum Stadtrand nicht mehr allzu weit ist. Dank meines neuen Stadtplanes finde ich Nebenstraßen, die nicht so stark befahren sind. Ein kleines Teilstück muss ich auf der Great South Road bis Mangere fahren. Dort zweigt die Redoubt Road in Richtung Brookby ab. Hier erfahre ich sogleich, was Radeln in Neuseeland bedeutet: Es geht erst mal stramm bergauf!

Ich passiere den weit außerhalb der Stadt gelegenen Botanischen Garten und erreiche die Straße nach Brookby. Ab hier ist von der Hektik der Stadt gar nichts mehr zu spüren. Urplötzlich bin ich fast allein auf der Piste. Das Radeln macht richtig Laune, der Weg führt in ständigem Auf und Ab durch grünes Weideland, kleine Wäldchen lockern die Szene auf. Zwischen Brookby und Clevedon führt die Straße über einen ersten kleinen Pass.

In Kawakawa Bay erreiche ich zum ersten Mal das Meer. Der "Ort" ist eigentlich nur eine Bretterbudensiedlung diverser Ferienhäuser. Zu meiner Ernüchterung stehen am schönen Strand Schilder, die darauf hinweisen, dass man hier nicht baden darf und keine Muscheln sammeln soll, das Wasser ist verschmutzt. Selbst hier am Ende der Welt scheint es das Paradies nicht mehr zu geben.

Durch bewaldetes Hügelland führt mich der Weg weiter vorbei an einzelnen kleinen Weilern. Ortschaften im eigentlichen Sinne gibt es hier nicht, demzufolge auch keine Versorgungsmöglichkeiten. Kurz hinter Orere erreiche ich den Fjord von Thames. Diese Meereseinbuchtung reicht tief ins Land hinein, die Strasse verläuft ab hier flach weiter. Der Wind legt an Heftigkeit immer mehr zu, zum Glück bläst er aus Norden, so dass ich ihn im Rücken habe. Ich passiere ein ausgedehntes Vogelschutzgebiet in den flachen Dünen und erreiche schliesslich den Highway 25.

Rast am Fjord von Thames

Leider muss ich nun die Richtung wechseln und habe den heftigen Wind jetzt von der Seite. Auf der Strasse herrscht reger Verkehr, die Landschaft ist völlig platt und geprägt von intensiv genutztem Weideland. Die letzten Kilometer bis Thames geht es ziemlich direkt gegen den immer stärker blasenden Wind, das schlaucht! Das Wetter hat sich vollkommen eingetrübt, und es beginnt zu tröpfeln.

Thames selbst hat den zweifelhaften Charme eines gesichtslosen Gewerbegebietes. Später stelle ich fest, dass fast alle neuseeländischen Städte nach diesem Einheitsmuster geplant sind. Hier kaufe ich Proviant ein und radle noch ein Stück nordwärts. Nach drei Kilometern erreiche ich Dickson's Holiday Park, wo ich einen geschützten Zeltplatz finde. Der Chef antwortet auf meine Frage nach den Wetteraussichten im besten Deutsch mit "Scheisswetter!". Besonders bedenklich stimmt mich dabei, daß dies das einzige deutsche Wort ist, das er beherrscht. Offenbar kommt so was hier öfter vor!

Immerhin gibt es ein überdachtes Picknickhäuschen, so dass ich unbehelligt vor drohendem Regen mein Abendessen kochen kann. In der Nacht beginnt heftiger Regen. Es prasselt von allen Seiten bei böigem Wind auf das Zelt herab, das fängt ja gut an! Ich fühle mich wie in einer Autowaschstrasse. Irgendwann gegen Morgen läßt der Regen nach, und ich finde noch etwas Schlaf.

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