Neuseeland und Australien

Radeln am anderen Ende der Welt, oder was sonst alles in die Hose gehtů

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Mittwoch 03.03.: Wairoa - Napier

Mittwoch 03.03.:  Wairoa - Napier

Mittwoch 03.03.: Wairoa - Napier Lange habe ich in der Nacht nicht geschlafen, als mich prasselnder Regen auf der Zelthaut weckt. Die Hoffnung, dass der Regen schon bald nachlassen wird, erfüllt sich leider nicht. Stattdessen wird es immer heftiger! Stunde um Stunde schüttet es aus allen Rohren auf mein Zelt.

Irgendwann heult in der Nacht die Sirene. Kurze Zeit später wird es munter auf dem Campingplatz - ich sehe Blaulicht durch die Nacht zucken, Autos werden gestartet und Wohnwagen werden weggefahren. Motorpumpen beginnen zu lärmen. Ich weiss noch nicht so recht, was ich davon halten soll. Plötzlich taucht die Chefin des Platzes auf und empfiehlt allen Zeltern dringend, den Rest der Nacht doch besser im Fernsehraum zu verbringen.

Noch liege ich trocken und warm im Schlafsack und verspüre wenig Lust in den klatschenden Regen hinaus zu stolpern. Etwas mulmig wird mir jedoch beim Gedanken an den nahe liegenden Fluss. Was wäre wohl, wenn der über die Ufer treten würde? Verunsichert werfe ich einen kritischen Blick auf den Zeltboden und stelle fest, dass ich bereits mit meinem Zelt in einer Riesenpfütze stehe und das Wasser durch den Zeltboden drückt. Schöne Scheisse - die Nacht ist damit gelaufen für mich!

In Windeseile packe ich die wichtigsten Sachen in meine Ortliebs und ziehe mir alle wasserdichten Klamotten an, die ich habe. Beim Alarmstart aus dem Zelt heraus sehe ich im Dunkel kaum etwas und stehe prompt im knöcheltiefen Wasser. Bingo - die Füße wären schon mal nass!

Bunte Holzhäuser in Napier

Ich rette mich irgendwo unter ein Vordach und beginne langsam, die Folgen des sintflutartigen Regens zu erahnen. Die tief liegenden Teile des Campingplatzes sind mittlerweile völlig abgesoffen, das Sanitärgebäude ist nur noch mit dem Boot erreichbar! Die Feuerwehr ist emsig damit beschäftigt, mit einigen Motorpumpen der Wassermassen Herr zu werden, um weiteren Schaden zu vermeiden.

Stunden später bei Einbruch der Morgendämmerung lichtet sich das Chaos etwas, und das meiste Wasser ist abgepumpt. Dennoch sieht der Himmel alles andere als vielversprechend aus, es regnet immer noch weiter. Mir reicht's nun endgültig! Müde, kalt und nass verspüre ich wenig Lust, noch länger in diesen unwirtlichen Breiten weiter zu radeln und träume vom trockenheißen australischen Outback.

In solchen Situationen pflege ich nicht lange zu zögern und marschiere gleich zu Geschäftsbeginn in das nächste Reisebüro. Zwei Stunden später habe ich meinen Flug umgebucht und kann schon in vier Tagen nach Sydney fliegen. Meine Laune bessert sich schlagartig. Zurück am Camp versuche ich notdürftig, meine nassen Klamotten zu trocken und packe schließlich zusammen.

Trotz katastrophaler Rahmenbedingungen zählt dieses Camp zu den schönsten, die ich in Neuseeland gesehen habe. Die Betreiber sind ebenso nett wie hilfsbereit, sehr empfehlenswert!

Am Nachmittag sitze ich bereits im Bus nach Napier. Die Strecke ist geprägt von den üblichen grünen Hügeln und ständigem Auf und Ab. Aufgelockert wird die Strecke durch ein großartiges Flusstal mit steilen Abbruchkanten, zwei engen Schluchten sowie den Lake Tutira. Zum Radeln wäre dieser Abschnitt sicherlich spannend gewesen.

Am Abend erreiche ich Napier. Dort ist es sehr kühl und stürmisch. Zwischendurch regnet es immer wieder, und ich bin sicher, in dieser Situation die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Wegen der Kälte ziehe ich mich früh in den Schlafsack zurück und träume von flirrender Hitze in Australienů

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